Kevin mit der Startnummer vom Berlin Marathon in der Hand

Berlin Marathon: Ein Mal und nie wieder

„Den Berlin Marathon musst du unbedingt einmal im Leben laufen“. Das haben sie alle gesagt. Dann habe ich trainiert, bin dort gelaufen und weiß jetzt: Mein erster war auch mein letzter Start dort. Warum? Das hat viele Gründe.

Der 24. September 2017: Ein Tag, den ich bereits seit über vier Monaten rot in meinem Kalender markiert hatte. Berlin Marathon – World Marathon Majors Event. Klingt schon so erhaben. Eine der größten Marathon-Laufveranstaltungen der Welt. Über 40.000 Teilnehmer. Das passt perfekt zu mir – dachte ich. Nachdem ich im April 2017 beim Haspa Marathon in Hamburg meinen ersten Marathon gelaufen war, wollte ich einen Schritt weiter gehen und die Luft bei einer ganz großen Veranstaltung schnuppern. Allein das Teilnehmerfeld der Elite hat mich schon vor Ehrfurcht erstarren lassen: Eliud Kipchoge, Kenenisa Bekele und Wilson Kipsang. Das musste einfach gut werden.

Kevin mit der Startnummer vom Berlin Marathon
Ahh: Der Respekt vor den 42,195 Km steht mir ins Gesicht geschrieben

 

Janine und Kevin in Laufklamotten vor dem Bundestag
Pre-Race Foto zusammen mit meiner Freundin vor den Bundestag

Kopf vs. Körper: Kurz vor dem Start krank werden nervt

Die Vorbereitungen auf diesen großen Tag liefen gut. Die langen Läufe im Training waren schon fast zu einfach. Wenn ich bei Kilometer 28 immer noch blöde Witze machen kann, dann bin ich gut in Form. Ich war also guter Dinge. Einzige kleine Unsicherheit: Knapp zwei Wochen vor dem Start habe ich eine Erkältung bekommen und daher mein Training komplett auf Null gesetzt, um pünktlich wieder fit zu sein. Hat geklappt. Ich Nachhinein betrachtet war es einfach nur der Kopf, der mir einen Streich gespielt hat. Aus Nervosität vor dem großen Tag einfach mal krank werden. Zum Glück bin ich als Sieger aus dem Duell hervorgegangen 🙂

Zettel mit Infos zum Berlin Marathon
Mein Plan für den Wettkampftag: Als Listenmensch für mich eine sehr beruhigende Angelegenheit.

Und dann war es endlich soweit: Das lang ersehnte Marathon Wochenende stand vor der Tür. Freitags Anreise mit dem Flugzeug, Übernachten bei einer Freundin, Samstag Abend Carboloading beim Italiener und zack war auch schon Sonntag. 6.15 Uhr aufstehen, 7.45 Uhr losgehen, um 8:01 Uhr die S-Bahn bis zum Brandenburger Tor nehmen. Lief alles wie geschmiert. Kleiderbeutel abgeben, noch schnell aufs Dixi, auf dem Weg zum Startblock eine Banane essen uns los geht´s. In Startblock H herrscht eine super Stimmung. Die Läufer tippeln nervös und gespannt auf den Start von einem Bein aufs andere. Unser Block bewegt sich langsam Richtung Startlinie. Pünktlich zu Beginn des Rennens beginnt es zu nieseln – egal. Ich habe Bock zu laufen. Durch das lange Stehen im Block halte ich kurz nach Kilometer 1 vor dem Ernst-Reuter-Platz zum pinkeln an. Hier wird mir zum ersten Mal das bewusst, was mich das ganze Rennen über begleiten soll. Sind das unfassbar viele Läufer hier.

So unfassbar viele Läufer auf einem Haufen

Nicht, dass ich das vor der Anmeldung zu meinem größten Lauf nicht gewusst hätte. Aber jetzt wird mir die Menge an Menschen erst richtig bewusst. Aus Erfahrung von vergangenen Läufen denke ich mir: Das Feld wird sich spätestens bei Kilometer 10 auseinander gezogen haben und ich habe mehr Platz zum Laufen. Pustekuchen! Ständig rennen mir andere Teilnehmer vor die Füße, rempeln mich an, halten auf der Strecke an zum Fotos machen oder werden grundlos langsamer. Versteht mich nicht falsch. Auch das bin ich von anderen Läufen bereits gewohnt – aber nicht in diesem krassen Ausmaß. Erste Getränkestation auf der Straße Alt-Moabit, an der ich einen Schluck Wasser nehmen will. Ich muss mich förmlich durchkämpfen, um bis an die Tische mit den Bechern zu kommen. Schnell einen Schluck trinken, Becher auf den Boden werfen und weiter geht´s. Becher wegwerfen: Gutes Stichwort. Das haben vor mir natürlich schon mehr als 20.000 andere Läufer beim Berlin Marathon getan. Die komplette Straße ist übersäht mit Müll. Das Laufen auf den Bechern erzeugt einen unnatürlich krassen Sound. Hier bemerke ich mein zweites Problem an diesem Tag. Ich bin ungewohnt Geräuschempfindlich. Lautstärke vertrage ich heute irgendwie gar nicht. Die denkbar schlechteste Voraussetzung für so einen großen Marathon.

S-Bahnhof mit vielen Läufern
Volle S-Bahn …

 

Auf der Strecke beim Berlin Marathon mit vielen Läufern
… volle Strecke

Was mich sonst pushed, zieht mich heute runter

Was mich sonst bei Laufevents pushed sind die Zuschauer und Musikanlagen, die Trommler und die Kinderhände, die auf ein High-Five warten. Heute ist mir das leider alles zu viel. Durchatmen und wenigsten für ein paar Kilometer die Stille genießen. Das ist heute einfach nicht möglich. Ich kämpfe mich trotzdem durch. Am Potsdamer Platz kurz vor dem Ziel steht ein riesiger Soundtruck, aus dem Techno dröhnt. Ich bin erschöpft und mir laufen ein paar Tränen das Gesicht runter. Nur noch einmal um die Ecke biegen, durchs Brandenburger Tor und dann ist es geschafft. Ich habe meinen zweiten Marathon gefinished. Ich bin überwältigt von den vielen Eindrücken, erschöpft und stolz. Das was ich hier schreibe, realisiere ich in der Form erst Tage später. Ich schaue mir die schöne Medaille an, nehme meine Freundin in den Arm, die mit mir die 42,195 Kilometer durchgestanden hat und mache mich auf dem Weg raus aus dem Gewusel.

Läufer Kevin im Ziel beim Berlin Marathon
Yaaay: Geschafft, fertig und glücklich im Ziel

 

Kevin mit der Medaille des Berlin Marathon
Da ist das Ding 🙂

Vielleicht war es einfach nicht mein Tag

Es ist nicht der Berlin Marathon an sich, der mir nicht gefallen hat. Eine wirklich großartige Veranstaltung, super organisiert mit vielen tollen Menschen an und auf der Strecke. Es war vielleicht einfach nicht mein Tag. Vielleicht haben meine persönlichen Voraussetzungen einfach nicht gestimmt. Und vielleicht noch eine andere Sache. Ich habe Mal über drei Jahre in Berlin gelebt. Rückblickend betrachtet ein schwieriger Lebensabschnitt und eine Zeit, in der ich nicht wusste, wo mein Platz im Leben ist. Daher assoziiere ich mit dieser Stadt nicht unbedingt positive Eindrücke. Die Strecke führte direkt an meiner alten Wohnung vorbei. Vielleicht hat mich das, ohne es bewusst zu merken, ebenfalls negativ beeinflusst. Die Gedanken an früher und viele unschöne Dinge.

Handbeschriftetes Schild mir runnersflow Hashtag
Verewigt habe ich mich auf der Marathon-Messe auch

Wie hast du den Berlin Marathon erlebt?

Was denkst du? Hatte ich einfach einen schlechten Tag beim Berlin Marathon? Oder ist es dir ähnlich ergangen? Wie hast du das große Starterfeld und die Stimmung an der Strecke wahrgenommen. Was fandest du gut und was hat dir nicht gefallen? Erzähl mir in den Kommentaren von deinen Erlebnissen.

 

Kostenloses Lauf-eBook
Hol dir 181 Top-Laufevents als eBook. Die coolsten Läufe in Deutschland zusammengefasst auf über 100 interaktiven Seiten.

Wir hassen Spam. Ihre Email Adresse wird nicht verkauft oder an Drittparteien weitergegeben.

Was dir noch gefallen könnte

11 Kommentare

  1. Ich habe mittlerweile 4 Marathons auf meiner kleinen Uhr, davon 2mal Berlin. Zum Teil kann ich Deine Eindrücke nachvollziehen: es sind einfach unfassbar viele Menschen. Und das ist eigentlich gar nichts für mich! Aber insgesamt ist der Lauf einfach Erlebnis pur! Ich habe selten auf Laufevents eine derartige Stimmung bei den Zuschauern erlebt. Und das ist es, was für mich den Ausschlag gegeben hat, das Abenteuer zu wiederholen. Manchmal ist es einfach der Kopf und vielleicht gibst Du dem großen B ja nochmal eine Chance. Mich persönlich hält mittlerweile der Investor für die Veranstalatung davon ab, dort noch einmal zu starten.

    Antworten
    • Hi Michael,

      beeindruckend ist Berlin allemal. Ich war mir natürlich klar darüber, dass es echt voll werden würde. Leider hatte ich unterschätzt, wie feinfühlig ich darauf reagieren würde. Aber so habe ich aus der Veranstaltung auch eine Menge gelernt. In Zukunft werde ich eher bei kleineren Läufen starten. Mit Investor mein du BMW? Wieso startest du wegen deren Sponsoring nicht mehr dort?

      Antworten
  2. Ich bin im letzten Jahr das erste Mal in Berlin gelaufen, war da schon mein dritter Marathon. Die Veranstaltung ist schon beeindruckend, top organisiert und mit guter Stimmung. Für mich war es alles etwas too much, too big. Und von der Stimmung empfand ich Hamburg als besser. Aber auch bei mir können es persönliche Umstände gewesen sein, vielleicht laufe ich dort nochmal, aber dies Jahr habe ich Münster gewählt, hat mit in dem familiären Rahmen besser gefallen.

    Antworten
    • Hi Ralph,

      von Münster habe ich auch schon viel gutes Feedback bekommen. Wenn man den Schilderungen glauben kann, ist es dort eine super Mischung aus Land und Stadt an der Strecke. Was ich in Hamburg im Vergleich zu Berlin super cool fand war, dass du auch mal ruhige Abschnitte hattest, in denen du dich einfach mal sammeln konntest. Das ist mir zumindest sehr wichtig. Das war in Berlin leider gar nicht der Fall. Ok, zugegeben: Das wusste ich vorher ;-D

      Antworten
  3. Ich war in diesem Jahr das erste mal beim Berlin Marathon – aber habe es mir “nur” als Zuschauer angetan. Genau die Dinge, die du auflistest (es sind so unfassbar viele LäuferInnen) , haben mich bisher davon abgehalten. Ich stand zum Start im Schatten der Siegessäule, der Strom der Läufer nahm und nahm kein Ende. Einfach nur krass.
    Aber die Stimmung überall (ich bin während des Marathons meiner besseren Hälfte gefolgt, die mitlief) war einfach grandios. So dass ich entschied: Da will ich nächstes Jahr auch mitlaufen. Einfach nur so, um genau diese Stimmung auch von der anderen Seite zu erleben. Dass Aufgrund des dichten Feldes wohl kaum Bestzeiten möglich sein werden, ist mir von vornherein klar. Daher werde ich auch entsprechend dran gehen. Andererseits belegt der Laufspatz genau das Gegenteil %)

    Antworten
    • Hi Rob,

      die Massen an Läufern sind wirklich unglaublich. Wenn man selbst in dem Pult steht, fällt einem das gar nicht so extrem auf. Als ich danach die Fernsehbilder gesehen habe, fand ich das um ein vielfaches Krasser. Stimmungsmäßig ging dort einiges – da gebe ich dir recht. Leider war, ich was das angeht, an dem Tag sehr empfindlich. Bei einem anderen Lauf zu einer anderen Zeit hätte ich es wahrscheinlich richtig richtig cool gefunden.

      Antworten
  4. Es war für mich der erste Marathon. Bewusst hatte ich mich für Berlin entschieden. Ich wollte an einer großen Massenveranstaltung teilnehmen. Der Einduck von 43000 Läufern aus 137 Nationen, so hatte es ein Sprecher gesagt, war schon gewaltig. Ich war sehr nervös und fand bei dem Gewusel erst nicht den Stand wo ich meinen Startbeutel abgeben könnte. Toll waren auch die letzten Minuten im Startblock, als wir auf die Teilnehmer aus Island aufmerksam gemacht wurden und wohl 43000 Läufer rhythmisch mit einem “Uh! Uh! Uh!” mit erhobenen Armen in die Hände schlugen. Auch während des Laufe war ich beeindruckt von den Läufermasse scheinbar bis zum Horizont. Die Umgebung habe ich während des Laufes kaum wahrgenommen. Ich war viel zu sehr damit befasst meine gewünschte Laufgeschwindigkeit einzuhalten. Schon sehr früh wäre ich fast mit einem anderen Läufer “zusammengerasselt”. Dabei riss ich mir meine Startnummer ab. Ich klemmte mir den Zettel notdürftig zwischen Laufshirt und Laufgurt.Nun war ich auch noch fast ständig damit beschäftigt den Sitz meiner Startnummer zu kontrollieren. Würde ich meinen Startbeutel auch ohne Startnummer zurück bekommen? Würde ich etwa aus dem Rennen genommen werden, weil meine Startnummer nicht mehr zu lesen war oder gar fehlte? Es ging alles gut, soviel vorweg. Stinksauer war ich als eine Frau mit einem Kind auf dem Gepäckträger quer zur Laufbahn über die Straße ging. Gegessen habe ich von den angebotenen Bahnen kaum etwas, an jeder Versorgungsstation aber getrunken. An zwei Stellen hatte die Feuerwehr eine Art Berieselungsanlage aufgebaut . Die tat mir gut und ich bin froh darüber mich kurz vor dem Start für das Kurzärmliche Laufshirt entschieden zu haben. Mit klatschnassem Shirt lief ich Richtung Ziel. An Potsdamer Platz wurden wir frenetisch abgefeuert. Erwartungsgemäß brannten die Oberschenkel auf den letzten Kilometern. “Wann kommt endlich das verdammte Brandenburger Tor?” dachte Ich. Unterwegs sah ich viele Läufer nur noch gehen, oder gar humpeln. Sie konnten einem schon teilweise Leid tun. “Jetzt weiterlaufen, nicht stehen bleiben, sonst kommst du nicht mehr in Gang” dachte ich. Dann endlich! Das Brandenburger Tor! Ich riss beide Arme zum “Vicktory” in die Höhe .Noch dreihundert Meter und ” Geschafft” 42195m. Ich war überwältigt und mega stolz auf meine Leistung. Kein Chef kein Bekannter kann diese Leistung in Anrede stellen. Ich war stehend KO 😀Einen kurzen Moment rollten auch die Tränen – ich war fix und fertig! Natürlich tat mir jeder Schritt weh. Ohbeinig schlurfte ich zum Kleiderstand nach dem alkoholfreien Bier und dem Dehnen ging es mir besser. Ich hängte mir stolz meine Medaille über das ftische langärmliche schwarze Laufshirt. Auf dem Weg zur S-Bahn wurde ich von einem asiatischen Touristen angesprochen, er fragte mich ob er ein Foto von mir machen dürfe?😂😂😂 Klar durfte er! In schwarzem Outfit kam die Medaille mit dem schwarz rot goldenem Band auch besonders gut zur Geltung 😁 Vielleicht bin ich ja auch auf einer Schlagseite in Tokio abgelichtet??? 😁

    Antworten
    • Hi Frank,

      eine schöne Zusammenfassung von deinem ersten Marathon – danke. Ein Satz hat mich besonders beeindruckt: “Kein Chef kein Bekannter kann diese Leistung in Anrede stellen”. Das Schöne am Laufen ist: Wenn du eine Trainingsrunde geschafft hast oder bei einem Wettkampf im Ziel angekommen bist, kann dir diese Leistung keiner nehmen. Nur du alleine bist dafür verantwortlich, was du gerade geleistet hast und niemand anderes.

      Wenn du den Berlin-Marathon bewerten solltest: Wie hat es dir insgesamt gefallen und würdest du dort noch einmal laufen?

      Antworten
  5. Hi, ich bin in meinem Leben über 50 Marathons und Ultras gelaufen, darunter 1x Berlin (2009). Was mich ansonsten davon abgehalten sind (a) der Preis (2009 hatte ich den Startplatz gewonnen) (b) dieses unsägliche Losen bei der Anmeldung (c) der Kommerz, der dazu führte, dass die VP nur Wasser, Iso und Bananen bieten – das kann jeder Dorfverein besser (d) die vielen “Halbleichen”, die sich für ihren einzigen im Überschwang angepeilten Stammtisch-Marathon im Leben Berlin aussuchen.
    Bin damals für meine Verhältnisse sehr langsam (~4 Std.) gelaufen, was hieß, dass ich diese bemitleidenswerten Gestalten ab km 10 immer wieder in Pulks (gemessen an der längsten im Training zurückgelegten Strecke) überholt habe. Dieses Leiden Christi.
    Meine Achtung haben die, die auf der flachen Strecke aus den vorderen Blöcken eine PB angehen! Aber das Trödlerproblem soll in NYC ja noch schlimmer sein. Arme Weltstädte!

    Antworten
    • Hi Christiane,

      ganz gut auf den Punkt gebracht würde ich sagen. Ich bin nach Berlin die vergangenen Wochen noch Eindhoven und Amsterdam (jeweils den HM gelaufen). Das hat mir noch mehr Klarheit verschafft, als es Berlin eh schon getan hat. Ich werde in Zukunft mehr kleine Veranstaltungen laufen. Da sind die Probleme, die du ansprichst in deutlich reduzierter Form zu finden. So lernt man eben aus seinen Erfahrungen. Wichtig ist nur, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.

      Antworten

1 Pingback

  1. Lieblingsblogs Folge 90 - Coffee & Chainrings

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.