Kevin steht in Laufklamotten in einer riesigen Baggerschaufel

Wen interessieren Bestzeiten? Lauf einfach und sei glücklich

Alle wollen schneller werden, sich weiter entwickeln und neue persönliche Bestzeiten bei Laufen aufstellen. Ich auch. Aber warum? Ist das wie ein Statussymbol? Ein Ritterschlag für Läufer? Warum laufen wir nicht einfach ohne Blick auf die Uhr und sind dabei glücklich?

Seit ich laufe, habe ich so eine tolle Multifunktions-Uhr am Arm. Mit allem Schnick schnack: GPS, Stoppuhr, Rundenfunktion, Paceanzeige, Herzfrequenz und noch gefühlten 1000 Funktionen mehr. Jeden Schritt den ich laufe, tracke ich mit dieser Uhr. Am Ende schaue ich mir an wie weit ich gelaufen bin, wie schnell ich war, wie sich meine Leistung zum vorherigen Lauf verändert hat und wie ich in Zukunft mein Training optimieren kann, um noch schneller zu werden. Ich erzähle zwar immer, dass mich das schneller werden gar nicht interessiert. Aber wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, feiere ich innerlich eine kleine Party, wenn es bei einem Wettkampf doch geklappt hat. Sollte ich mich nicht viel mehr darauf konzentrieren, dass mich Laufen glücklich macht?




Warum müssen wir uns ständig verbessern?

Was ich stattdessen mache: Ich kaufe mir eine neue Laufuhr. Die kann jetzt zusätzlich noch messen wie schnell und effizient ich schwimme und wie gut ich auf dem Rad unterwegs bin. Geil, ein cooles Gadget. Aber sollte es nicht um etwas ganz anderes gehen? Warum habe ich eigentlich mit dem Laufen angefangen? Ich war zu dick, ich wollte abnehmen. Minus zehn Kilo in neun Monaten hat gut funktioniert. Und trotzdem bin ich nach dem Erreichen meines Ziels weitergelaufen. Warum? Die Antwort ist einfach. Es hat mich glücklich gemacht. Und das macht es heute immer noch. Ich liebe das Laufen. Und trotzdem schaue ich ständig auf die Laufuhr und will mich verbessern. Geht es dir da ähnlich?

Läufer Kevin sitzt nach einem Lauf geschafft auf dem Boden
Sieht unglücklich ist, ist aber das Gegenteil. Das war nach einem 30 Km Lauf. Ich bin müde und zufrieden.

Eine tolle Landschaft macht glücklicher als eine gute Pace

Eine kleine Geschichte von meiner letzten gemütlichen Sonntags-Runde mit meiner Freundin. Kein Ziel, keine fest geplante Trainingseinheit, einfach in gemütlichem Tempo drauflos laufen. Ich wollte kein einziges Mal nach Pace, Herzfrequenz oder zurückgelegter Strecke schauen. Hat zwar nicht ganz geklappt, aber trotzdem war es einer der entspanntesten Läufe seit langem, Erholung pur. Die schöne Landschaft genießen während mir die Sonne ins Gesicht scheint. Herrlich.

Was ist die Folge von persönlicher Selbstüberschätzung?

Die Jagt nach Bestzeiten kann allerding auch richtig nach hinten losgehen. Oder sollte ich es besser persönliche Selbstüberschätzung nennen? Eindhoven Halbmarathon im Oktober 2017. Auf den knapp 21 Kilometern sehe ich fünf Läufer, die völlig fertig, am Boden liegend von Sanitätern behandelt und abtransportiert werden. Ist das Teil des Laufsports? Muss das so sein? Oder ist das die Folge von falschem Ehrgeiz, Selbstüberschätzung und Teil dieses höher-schneller-weiter-Dings? Mich macht das betroffen, traurig und nachdenklich. Ich habe auf die vielen Fragen die ich hier stelle keine passenden Antworten. Es ist einfach ein Thema, das mich schon länger beschäftigt und bei dem ich mich oft selbst nicht verstehe.

Kevin läuft im Central Park in New York
Laufen an ungewöhnlichen Orten macht auch glücklich. Hier flitze ich gerade durch den Central Park in New York.

Warum macht dich Laufen glücklich?

Wie ist es bei dir: Warum macht dich laufen glücklich? Schaust du auch wie ich zu oft auf deine Laufuhr. Willst du dich auch ständig verbessern? Oder ist dir das alles völlig egal und du läufst ausschließlich, um den Kopf frei zu bekommen? Erzähl mir in den Kommentaren davon.

 

Wer schreibt hier?

Ich bin Kevin, leidenschaftlicher Läufer und Laufblogger. Eigentlich wollte ich nur 10 Kilo durchs Laufen abnehmen. Und plötzlich war ich verliebt in diesen wunderbaren Sport. Und ich bin es noch immer – zu 100%.

Kevin mit Laufsachen zeigt den Daumen nach oben

 

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2 Kommentare

  1. Frankfurt war gerade mein 15. Marathon.
    Zeiten immer > 4:45 sind mir egal. Für mich sind es “City-Sightseen”. Und die Läufe in Omsk, Jerusalem, Athen, Rom, Madrid, Paris, Mannheim, Frankfurt, Köln, Berlin haben ganz viele Emotionen, Erlebnisse, Bekannt- und Freundschaften gebracht, die mir beim Versuch immer schneller zu werden bestimmt enthalten geblieben wären.

    Antworten
    • Tolle Einstellung Frank. Du hast laufend ja schon eine Menge Städte gesehen – großartig. Sich so eine Einstellung für sein Läuferleben zu behalten, ist aller Ehren wert 🙂

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